Herner Arbeitsmarkt zwischen Schein und Sein![]()
Nun ist es bekanntermaßen mit der Statistik der Bundesagentur für Arbeit so eine Sache. Trotz allem Schöngerede ist es Fakt : Kranke Arbeitslose, sogen. 1 €-Jober und TeilnehmerInnen an Weiterbil-dungsmaßnahmen fallen nach mehreren, offiziell angeordneten Bi-lanzfrisuren durchs Sieb . Sie sind statistisch gar nicht erfasst. Hinzu kommen fast alle Arbeitslosen, die älter als 58 Jahre sind und solche die von privaten Arbeitsvermittlungen betreut werden und keinen Job haben.
Mindestens jeder Fünfte auf Jobsuche
Das bedeutet, den offiziell erfassten und ausgewiesenen 10.371 Ar-beitslosen (im Juni) müssen nochmal 12.000 bis 13.000 Menschen hinzugerechnet werden, die nach offiziellem Sprachgebrauch zwar arbeits- aber nicht beschäftigungslos sind. Nicht wenige befinden sich in sogen. Qualifizierungsmaßnahmen. Nach § 16 (2) SGB III „ gelten Teilnehmer an Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik nicht als arbeitslos .“ Nach Recherchen der WAZ-Herne (01.07.10) waren im Juni 16.069 Herner auf Jobsuche.
Das wäre jeder Fünfte aus der Herner erwerbstätigen Bevölkerung. Dem standen im Mai 222 und im Juni 178 Stellenangebote gegen-über ! 3.502 Beschäftigte in 157 Herner Unternehmen befinden sich zudem noch im ( krisenbedingt verlängertem) Bezug von Kurzarbeiter-geld. Diese Zahl hat sich seit Januar kaum verändert und verharrt ebenfalls auf hohem Niveau. Bleibt eine spürbare Konjunkturbelebung nach der Sommerpause aus, sind Entlassungen in größerem Umfang wahrscheinlich.
Lage auf dem Ausbildungsmarkt nicht rosig
Auch auf dem Ausbildungsmarkt sieht es weiterhin nicht rosig aus. Im Oktober 2009 haben sich 1.431 BewerberInnen bei der Arbeitsagentur um einen Ausbildungsplatz bemüht. Dem stehen zZt. 616 Ausbildungs-stellen gegenüber. Auch diese statistischen Angaben sind mit Vorsicht zu genießen. Viele Jugendliche befinden sich noch aus den Vorjahren unversorgt in Warteschleifen . Im Herbst werden weitere Jugendliche nach Ende der Schullaufbahn hinzustoßen und auf einen erfolgreichen Berufsstart hoffen.
Arbeitsmarkt verändert sich
Nicht nur sie stoßen auf einen deutlich Veränderten, heimischen Ar-beitsmarkt. So wächst der Anteil von befristeten Beschäftigungsver-hältnissen, Teilzeitbeschäftigten und Beschäftigung zu Hungerlöhnen, während Arbeitsverhältnisse in sozialversicherungspflichtiger Vollzeit-beschäftigung weiter rückläufig sind.
Dies führt wiederum zu einer steigenden Anzahl von Beschäftigten, die ihren Lohn mit ergänzenden Hartz IV-Leistungen aufstocken müssen.
Für immer mehr ArbeitnehmerInnen – auch in unserer Stadt- reicht ein einziges Arbeitsverhältnis nicht mehr um einigermaßen auskömm-lich über die Runden zu kommen. Viele sind deshalb auf einen oder mehrere Nebenjobs angewiesen.



