Stadtterrassen: Gescheitert ist nicht das Holz, sondern die Idee dahinter
Pressemitteilung über das Ende des Projektes Stadtterrassen, mit Bezug zum Beitrag auf Radio Herne
Die Stadt Herne erklärt „das Experiment mit den Stadtterrassen“ für beendet. Es fehle an Geld, Personal und Lagermöglichkeiten. Damit endet ein Projekt, das von Anfang an unter einem grundsätzlichen Missverständnis litt.
„Man kann Sitzgelegenheiten aufstellen. Man kann Holzbauten kaufen. Aber eine lebendige Stadtgesellschaft lässt sich nicht einfach anschaffen.“ So Tillman Kieser, Ratsherr für Die Linke und Mitglied im Ausschuss für Bürgerbeteiligung.
In anderen Städten sind ähnliche Projekte aus engagierten Vereinen, Kulturschaffenden und Nachbarschaften heraus entstanden. Dort waren die Terrassen Ausdruck einer bereits vorhandenen Kultur des Mitmachens und zeigten zudem, dass der Mensch wichtiger ist, als Metall, denn es wurden, wie in Herne an manchen Stellen auch, Parkplätze als Standorte für die Terrassen genutzt um eine alternative Nutzungsmöglichkeit des öffentlichen Raumes aufzuzeigen.
In Herne wurde dieser Schritt übersprungen. Die Terrassen waren zuerst da. Danach hoffte man darauf, dass sich Menschen finden, die kostenlos Veranstaltungen organisieren, Pflanzen pflegen und die Orte dauerhaft mit Leben füllen.
Diese Hoffnung hat sich nicht erfüllt.
Das ist kein Vorwurf an die Bürgerinnen und Bürger. Ehrenamt ist keine Ressource, die man beliebig abrufen kann. Menschen engagieren sich dort, wo Strukturen gewachsen sind, wo sie unterstützt werden und vor allem, dort wo ihre Arbeit Wertschätzung erfährt. Die Stadtterrassen zeigen deshalb vor allem eines: Stadtentwicklung besteht nicht nur aus Möbeln und Förderprogrammen. Sie braucht Menschen, Initiativen und eine langfristige Strategie.
„Wer heute das Ende der Stadtterrassen verkündet, sollte deshalb nicht nur erklären, warum die Holzbauten nicht mehr eingelagert werden können. Er sollte erklären, warum geglaubt wurde, dass Begegnungsorte allein durch ihre Existenz funktionieren.“ So Benno Janßen, Mitglied im Ausschuss für Kultur und Bildung für Die Linke.
„Wir halten öffentliche Orte für wichtig. Orte zum Sitzen, Reden, Lesen, Spielen und für Kultur gehören zu einer lebendigen Stadt.“ „Aber sie entstehen nicht durch das Aufstellen von Holzbauten allein. Sie entstehen dort, wo Menschen die Möglichkeit bekommen, selbst aktiv zu werden …“ „– und wo Politik bereit ist, dieses Engagement dauerhaft zu unterstützen.“ Ergänzt Kieser.
Die Stadtterrassen sind deshalb nicht am Material gescheitert. Sie sind an der Vorstellung gescheitert, man könne eine lebendige Stadtgesellschaft einfach aufbauen wie ein Möbelstück.
Pressemitteilung Die Linke KV Herne/Wanne-Eickel, 18. Juni 2026
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