Kritische Bilanz zur Wohnraumförderung 2026: Herne droht dramatischer Verlust an Sozialwohnungen trotz 25%-Quote

PM – Die Linke KV Herne/Wanne-Eickel

Die öffentliche Wohnraumförderung im Förderjahr 2026 offenbart ein strukturelles Versagen mit dramatischen Folgen für die Stadt Herne. Während die 25%-Quote für Sozialwohnungen in Neubauten formal besteht, fehlt zum jetzigen Zeitpunkt eine gültige Förderrichtlinie des Landes Nordrhein-Westfalen. Die Aufstockung des Programmvolumens für NRW um 750 Mio Euro für das Jahr 2026 reicht vermutlich gerade, um die starken Verteuerungen für Bau- und Renovierungsmaßnahmen zu kompensieren.

Zahlen belegen dramatischen Rückgang

Die Situation ist alarmierend: Deutschlandweit sank der Bestand an Sozialmietwohnungen von 2,5 Millionen Einheiten im Jahr 2002 auf unter 1,2 Millionen im Jahr 2023 – eine Halbierung innerhalb von zwei Jahrzehnten laut Bundeszentrale für politische Bildung. In Herne selbst bewilligte das Land zwar 15,6 Millionen Euro für soziale Wohnprojekte, doch diese Summe kann den Wegfall tausender Wohnungen nicht kompensieren, deren Bindungen auslaufen.

Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) bestätigt: Der genaue Rückgang ist unbekannt, da eine amtliche Statistik fehlt, doch Schätzungen der Länder zeigen einen kontinuierlichen Nettoverlust. Trotz bundesweit geförderter 61.934 Wohneinheiten im sozialen Wohnungsbau 2024 (+25% gegenüber 2023) kann dies den Schwund durch auslaufende Bindungen bei Weitem nicht ausgleichen. Für 2026 hat der Bund zwar vier Milliarden Euro im Haushalt eingeplant, doch die Umsetzung in NRW stockt.

Strukturelles Problem: 5%-Zuweisung ohne Richtlinie

Die Verwaltung in Herne findet deutliche Worte zur aktuellen Situation, wie aus einer Vorlage im letzten Ausschuss für Planung und Stadtentwicklung hervorgeht. Ohne Förderrichtlinie können keine neuen Projekte beantragt werden. Die 5%-Sofortzuweisung des Landes reicht nicht aus, um Bauvorhaben zu initiieren. Gleichzeitig fallen jährlich hunderte Wohnungen aus der Bindung – in Herne sind es schätzungsweise mehrere hundert Einheiten pro Jahr, bei einem Gesamtbestand von nur rund 2.700 Wohnungen der Herner Gesellschaft für Wohnungsbau (HGW).

Der Wegfall gebundenen Wohnraums führt dazu, dass trotz gefördertem Neubau die Gesamtzahl sozialer Wohnungen deutlich sinkt", folgert Tillman Kieser, Ratsherr für Die Linke und Mitglied im Planungsausschuss „Eine Mindestquote von 25% in Neubauten ist ein Tropfen auf den heißen Stein, wenn gleichzeitig der Altbestand schwindet.“, ergänzt er.

Forderung: Mindestquote auf 40-50% erhöhen, Puffer abschaffen

Die Kritik ist unmissverständlich: Der Prozentsatz geförderter Wohnungen in Neubau und Renovierung muss in Gänze deutlich höher werden – Experten fordern mindestens 40-50%, um dem Bedarf gerecht zu werden. Vergleichsstädte wie Köln oder Düsseldorf setzen bereits höhere Quoten durch. Zudem muss der Puffer-Mechanismus des Landes abgeschafft werden: Kommunen benötigen planbare, sofort verfügbare Mittel.

„Ein grundsätzlich anderes Handling von Wohnungsbau ist alternativlos", so Zoe Lampart von Der Linken, Mitglied im Ausschuss für Soziales, Arbeit, Gesundheit, Senioren und Inklusion. Lampart weiter: „Ohne sofortiges Handeln droht Herne ein weiterer Verfall bezahlbaren Wohnraums – mit sozialen Verdrängungsprozessen, die insbesondere Jüngere und Ältere treffen, wie die IG BAU bereits 2025 warnte. Investorengesteuerter Wohnungsbau hat darüber hinaus die falschen Prioritäten, kommunaler und genossenschaftlicher Wohnungsbau lebt aus den Bedürfnissen der Stadtgesellschaft und versucht, diese zu beantworten.“

Quellen:

  • Bundeszentrale für politische Bildung (bpb): Sozialmietwohnungen in Deutschland
  • Institut der deutschen Wirtschaft (IW): Bedarf an Sozialwohnungen
  • BMWSB: Förderzahlen 2024/2025
  • Stadt Herne: Wohnraumförderung, HGW-Bestände
  • NRW.BANK / Land NRW: Förderrichtlinie 2025, Haushalt 2026
  • Statistisches Bundesamt: Bau- und Immobilienpreisindex
  • WAZ 03.02.2026 „Sozialwohnungsbestand schrumpft trotz Rekordinvestitionen“


    Pressemitteilung Die Linke KV Herne/Wanne-Eickel, 4. März 2026