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Leserbrief zum Vorgehen der Stadt bzgl. Fußballgucken in Vereinsheimen

Leserbrief – Daniel Kleibömer

Man muss der Stadt Herne wirklich dankbar sein. Endlich sorgt jemand dafür, dass die größte Gefahr für Leib und Leben in dieser Stadt konsequent bekämpft wird: das gemeinsame Anschauen eines Fußballspiels in einem Vereinsheim. Wer hätte gedacht, dass diese Orte, in denen seit Jahrzehnten Versammlungen, Feiern, Jugendtreffs und Weihnachtsfeste stattfinden, in Wahrheit tickende baurechtliche Zeitbomben sind – allerdings offenbar nur dann, wenn ein Ball im Fernsehen rollt.

Die Verwaltung hat uns nun aufgeklärt: Fußballschauen ist keine sportliche Nutzung. Ein Schock für alle, die bisher dachten, dass gemeinsames Jubeln, Leiden und Fluchen zumindest eine Art Mannschaftssport sei. Aber gut, man lernt nie aus. Vielleicht folgt demnächst die Klarstellung, dass Kaffeetrinken im Vereinsheim ebenfalls keine sportliche Betätigung ist und daher nur noch mit Einzelgenehmigung erfolgen darf.

Besonders beeindruckt hat mich die kreative Zuständigkeitslogik. Der Fachbereich Sport erklärt, er sei gar nicht zuständig – um dann im selben Atemzug ein Verbot auszusprechen und gleich noch Maßnahmen anzudrohen. Das ist mutig. Ich erkläre ja auch regelmäßig, dass ich kein Arzt bin, und verschreibe dann trotzdem Medikamente. Funktioniert erstaunlich gut.

Auch der Lärmschutz wird endlich ernst genommen. Dass Vereinsheime seit Jahrzehnten in Wohngebieten stehen und dort gelegentlich sogar Menschen reden, lachen oder Musik hören – geschenkt. Aber ein WM‑Spiel um 18 Uhr? Unzumutbar. Man möchte fast meinen, die Stadt habe Angst, dass jemand in Herne ausnahmsweise einmal gute Laune bekommt.

Kurzum: Die Stadtverwaltung hat mit diesem Schreiben eindrucksvoll bewiesen, dass man Probleme nicht lösen muss, wenn man sie einfach verbieten kann. Vielleicht wäre das ein Modell für weitere Bereiche: Verkehr? Verbieten. Müll? Verbieten. Regen? Verbieten. Und wenn das alles nicht hilft, kann man immer noch eine Rundmail schreiben.

Mit sportlichen Grüßen 

Daniel Kleibömer


 Leserbrief zum Vorgehen der Stadt bzgl. Fußballgucken in Vereinsheimen (WAZ-Artikel „Stadt Herne verbietet zur WM 2026 Vereinen das Fußballgucken“), 16. Juni 2026

WAZ-Artikel vom 16.06.2026 (Paywall)

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