Anfrage: Apple Distinguished School

Schulausschuss

Für Unternehmen aus der Privatwirtschaft ist die Bildungslandschaft ein lukratives Geschäftsfeld. Insbesondere Technik- und Digitalkonzerne sind durch Hard- und Software aus dem Bildungssektor nicht mehr wegzudenken. Der Bedarf an technischer Ausstattung und digitalen Anwendungen ist in den letzten Jahren stetig gestiegen – und damit auch die Möglichkeit von Konzernen sich im Bildungsbereich zu etablieren. Es liegt dabei in der Natur der Sache, dass Tech-Konzerne natürlich nicht wie Pädagogen und schon gar nicht fächerorientiert denken.

Das Ergebnis ist, dass die Grenze der Einflussnahme wirtschaftlicher Unternehmen auf Bildungseinrichtungen häufig überschritten wird und das Vertrauen in das deutsche Bildungssystem bedrohen. Schulen und somit die Qualität von Bildung wird käuflich werden. 

Die Claudiusschule möchte nun eine Zertifizierung als sogenannte „Apple Distinguished School“ erhalten. Laut Eigendarstellung seien „Apple Distinguished Schools Zentren für Führungsqualität und hochwertige Bildung, die Apples Vision des Lernens mit Technologie veranschaulichen.“ Voraussetzung für diese Zertifizierung ist laut Apple: „Etabliertes One-to-One Programm“ und „innovative Verwendung der Apple Plattform“ (aus apple.com.de). Außerdem sollen mindestens 75 Prozent aller Lehrkräfte sogenannte Apple-Teacher sein, also eine niedrigschwellige Online-Fortbildung bei Apple absolviert haben.

Erwartet wird von einer Apple Distinguished School „Kontinuierliche Innovation und Erkundung neuester Möglichkeiten für den Einsatz von Apple Technologie zur Gestaltung der Bildung der Zukunft“:

Schulen erhalten dafür eine Plakette als Nachweis der Anerkennung als Apple Distinguished School, die Nutzungsmöglichkeit der Logografik des Programms zur Verwendung auf der Website und in Printmaterialien der Einrichtung, die Nennung des Namens, Standortes und Kurzbeschreibung der Schule auf der Webseite „Apple Distinguished Schools“, Möglichkeiten für Schulleiter zum Austausch mit Experten und zur Zusammenarbeit mit Kolleg*innen und die mögliche Teilnahme an einem Ausflug zu einem nahe gelegenen Apple Store.

Neben der Apple Distinguisked School bildet Apple noch sogenannte 

  • Apple Teacher, ein kostenloses Selbststudienprogramm für Lehrkräfte zum Aufbau grundlegender Fähigkeiten mit iPad und Mac,
  • Apple Learning Coach, ein kostenloses Trainingsprogramm für schuleigene Multiplikator*innen, die ihre Kolleg*innen vor Ort beim Technologieeinsatz coachen,
  • Apple Professional Learning Specialist, Hochqualifizierte Expert*innen (oft ehemalige Lehrkräfte oder Schulleiter*innen), die von Apple oder autorisierten Partnern zertifiziert sind, um tiefergehende, langfristige Transformationsprozesse in Bildungseinrichtungen zu begleiten, 

aus.

Wir sehen in dem Apple-Angebot einen weiteren Werbefeldzug zum Verkauf der eigenen Produkte und zur Sicherung von Marktanteilen im stark umworbenen Schulbereich. Apple hat als Konzern immer die Bewerbung ihrer Produkte als Hauptziel und kann daher nicht unabhängig agieren. Allein wenn ein Kind fünf Jahre ein iPad benutzt hat, will es als Jugendliche eher ein Macbook kaufen. Kinder werden an eine Umgebung mit Apple-Produkten gewöhnt. Und später wollen sie dann gar nichts anderes mehr.

In diesem Zusammenhang bitten wir um die Beantwortung folgender Fragen:

  1. Welche Kosten übernimmt Apple?
  2. Wie oft wurden ehemalige Lehrer*innen, die in Herne an Schulen beschäftigt waren oder sind, im Konzern angestellt?
  3. Wie viele Lehrkräfte in Herne, besonders an der Claudiusschule, haben die niedrigschwellige Online-Fortbildung zum „Apple Teacher“ gemacht?
  4. Müssen Lehrer*innen das „Apple Teacher Zertifikat“ vorweisen, bevor sie in den iPad-Klassen unterrichten.?
  5. Arbeiten sogenannte "Apple Learning Coachs" an Herner Schulen, besonders an der Claudiusschule?
  6. Werden Expert*innen von Apple für Vorträge in die Klassenzimmer geschickt oder stellt Apple Bücher und Unterrichtsmaterialien bereit oder organisiert Spiele und Wettbewerbe?
  7. Gibt es außer der Claudiusschule noch andere Schulen, die eng mit einem Tech-Unternehmen zusammenarbeiten?

Anfrage für die kommende Sitzung des Schulausschusses am 25. März 2026

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